Mittwoch, 14. August 2013

Nicht Petrus, sondern Christus ist der "Fels" ( please Use google translater on the right side

Wie kommt eigentlich die römisch-katholische Kirche dazu, sich auf den Jesus-Nachfolger Petrus zu berufen, ihn gar als ihren ersten "Papst" zu vereinnahmen? Denn Petrus war ein Jünger von Jesus und hatte mit einer dogmatischen und hierarchischen Kult- und Priesterorganisation nichts zu tun. Darum soll es in dieser "Festschrift" gehen. Und auch darum, wie in der Kirche ein bestimmtes "Petrusbild" verbreitet wird, das man dann mit den eigenen kirchlichen Vorstellungen vermischt, das aber nicht mehr viel mit dem einstigen Jünger Petrus zu tun hat.

Dass auch das kirchliche Amts-Christentum als Ganzes kaum etwas mit Jesus von Nazareth zu tun hat, das wird immer mehr Menschen bewusst. Doch man kann in der Analyse noch einen Schritt tiefer gehen. Die kirchlichen Wurzeln liegen gar nicht im einstigen Urchristentum, sondern vor allem im Priestertum außerchristlicher Religionen. Zusammenfassend könnte man sagen: im Baalskult. Die römisch-katholische Kirche ist letztlich der Baalskult der Gegenwart
(siehe dazu Der Theologe Nr. 42), gegen den die jüdischen Gottespropheten immer ihre Stimme erhoben haben. Der Baalskult wurde z. B. im antiken Babylon betrieben, und wenn in der Offenbarung des Johannes in der Bibel von der "Hure Babylon" die Rede ist, dann beziehen dies immer mehr Bibelexperten auf die endzeitliche Institution Kirche der Gegenwart (siehe dazu Der Theologe Nr. 41). Die Macht der Kirche beruht dabei auf einer weltlichen und einer geistigen Säule, beide durch Betrug und Fälschung entstanden.

Die
weltliche Säule ist der Vatikanstaat, hervorgegangen aus der gefälschten so genannten Konstantinischen Schenkung. Die Kirche ließ um das Jahr 800 eine Urkunde fälschen, wonach Kaiser Konstantin als Dank für den Empfang der katholischen Taufe Papst Silvester I. im Jahr 317 Rom, Italien und das ganze weströmische Reich geschenkt haben soll. Nachdem der Frankenkönig Pippin III. (der Vater Karls des Großen) auf die Fälschung herein gefallen war, begann er auf Drängen des Papstes eine kriegerische Auseinandersetzung gegen die Langobarden, um sie aus dem Umfeld des Papstes zu vertreiben. Und nachdem der Papst im 19. Jahrhundert selbst zwischenzeitlich aus Rom vertrieben und sein Staat in die damaligen Grenzen der Republik Italien eingegliedert wurde, setzte der faschistische Diktator Benito Mussolini den Vatikanstaat 1929 als souveränen Staat wieder neu in Kraft. Und Benito Mussolini schenkte der Kirche eine astronomische "Entschädigungssumme" hinzu, weil der Staat nun nicht mehr so groß war wie im Jahrhundert zuvor. Die Kirche befürwortete und segnete dafür die Eroberung Abessiniens durch das faschistische Italien. Und der neue Vatikanstaat war dann auch der erste Staat der Welt, der Nazi-Deutschland 1933 völkerrechtlich "anerkannte" und er galt damals als der einzige wirkliche "Freund" des neuen Deutschen Reiches. So wusch also eine Hand die andere. Und der selbst erst vier Jahre alte und von italienischen Faschisten installierte Vatikanstaat gab damit auch den anderen Völkern die "Richtung" vor, wie das Dritte "Deutsche Reich" zu bewerten sei. Und Vatikan und Papst segneten und unterstützten einige Jahre später auch die faschistische Diktatur unter General Franco in Spanien (bis 1975) und die Ermordung von Hunderttausenden von Republikanern im spanischen Bürgerkrieg. Und sie unterstützten den Völkermord an den orthodoxen Serben durch die streng katholische und faschistische Ustascha-Regierung in Kroatien. So weit vorab einige Anmerkungen zur weltlichen "Säule" der Kirche.

Die
geistige Säule des Kirche und ihres Vatikanstaats ist ein gefälschtes Jesuswort, das dieser angeblich an Petrus gerichtet hat und wonach Er auf diesen "Felsen" angeblich Seine "Kirche" bauen wolle. Das Wort ist an einer einzigen Stelle in der Bibel überliefert und es wird von der Kirche auf die Päpste und die Institution Kirche umgedeutet. Und um diese Fälschung geht es in dieser Ausgabe des Theologen.


Die Rechtfertigung, dass Jesus von Nazareth mit den Worten "Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich Meine Kirche bauen" (Matthäus 16, 18) die katholische Kirche installiert habe, ist eine Verhöhnung des Mannes aus Nazareth, denn Jesus hat niemals eine solche Kirche gewollt. Doch selbst wenn Jesus dies gesagt haben sollte: Sein Jünger Simon Petrus hat ebenfalls nichts mit der römisch-katholischen Kirche zu tun. Er wurde später nur, wie Jesus selbst, von der Kirche auf schändliche Art und Weise vereinnahmt, nämlich als eine Art erster "Bischof" bzw. erster "Papst" von Rom.
 
Drei Evangelisten und die Apokryphen wissen von diesem Satz an Petrus nichts

Das Wort von Jesus an Petrus "Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen" wird von der Kirche also dreist auf die eigene Institution bezogen. Doch hat Jesus überhaupt solches zu Petrus gesagt, und falls ja, was hätte Er dann damit gemeint?
Schon dem "unstudierten" Bibelleser kann zunächst auffallen, dass diese vermeintlichen Worte von Jesus in drei von vier biblischen Evangelien fehlen, vor allem in den bekannten "Petrusbekenntnissen" bei den Evangelisten Lukas und Markus. In der Theologie hat man nachgewiesen, dass das Markusevangelium das älteste ist und dem Matthäus als eine Vorlage diente, und dort heißt die betreffende Stelle wie folgt:
"Und Er [Jesus] fragte sie: ´Ihr aber, wer, sagt ihr, dass ich sei? Da antwortete Petrus und sprach zu Ihm: ´Du bist Christus!` und Er gebot ihnen, dass sie niemandem von Ihm sagen sollten" (Markus 8, 29-30).
Und auch in den außerbiblischen Evangelien weiß man nichts von dem angeblichen Wort von Jesus an Petrus. Einzig an dieser einen Stelle im Matthäus-Evangelium ist Petrus der "Fels", und man geht in der Theologie davon aus, dass diese Formulierung mit einer bestimmten Absicht einfach in die Vorlage aus dem Markusevangelium hinein montiert wurde.

Vergleichen Sie selbst! Wie heißt es bei Matthäus? Der "fett" gedruckte Teil entspricht der Vorlage des Evangelisten Markus, der Rest dem Einschub des Matthäus.
"Er [Jesus] fragte sie: ´Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: ´Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!` Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: ´Selig bist du, Simon, Jonas Sohn` ... Und ich sage dir auch: ´Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen ..." Da gebot er seinen Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei" (Matthäus 16, 15-20).

Doch dieser Einschub des Matthäus passt überhaupt nicht in den Zusammenhang; auch nicht zu dem, was sonst in den Evangelien steht, und das betrifft speziell auch das Matthäusevangelium. Nur kurze Zeit später entbrennt nämlich unter den Jüngern eine Auseinandersetzung darüber, wer denn nun unter ihnen wohl der Größte sei (Markus 9, 33-37; Lukas 9, 46-48). Bei Matthäus ist diese Stelle schon wieder verfälscht und es heißt dort jetzt: "Wer ist im Himmelreich der Größte?" (Matthäus 18, 1-5) Aber immer noch geht es auch bei Matthäus um "den Größten". Hätte Jesus den Petrus zuvor in diesem kirchlichen Sinne zum "Felsen" gemacht, wäre die Diskussion unter den Jüngern darüber überflüssig gewesen, denn Jesus hätte sich ja schon für Petrus entschieden gehabt.

So stellt sich also gleich aus mehreren Gründen die Frage: Wie kam es wohl zu diesem nachträglichen Einschub in die Überlieferung von Jesus, wo er angeblich den Petrus zum "Felsen" machte?
Eine nahe liegende Spur ist folgende: Der griechische Name "Petrus" bedeutet schlicht "Fels", genauso wie die hebräische Namensform "Kefas". "Fels" wäre also die Namensbedeutung der Eigennamens Petrus bzw. Kefas. Doch von den Jüngern hieß überhaupt keiner "Petrus". Und mehr noch: Den Namen "Petrus" gab es bis dahin im Griechischen überhaupt nicht, genauso wenig wie den Namen "Kefas" im Aramäischen. Woher kommt aber dann der heute so bekannte Name?
Angeblich sei es Jesus selbst gewesen, der den Jünger Simon eines Tages in "Petrus" umbenannt habe (Markus 3, 16), bzw. Er hätte ihn eben nicht nur Simon, sondern "auch Petrus gerufen" (Lukas 6, 14). Jesus hätte also diesen Namen erfunden. Und das ist schon merkwürdig, da ja der eigentliche Name von Petrus "Simon" war (so Matthäus 10, 12: Simon, genannt Petrus)
Interessant ist dies auch deshalb, da ja ausgerechnet der Evangelist Matthäus eine bekannte Vorliebe für Wortspiele und Wortkonstruktionen hat, die man vielfach auch an anderen Stellen seines Evangeliums findet, aber nirgends sonst in der Bibel. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Erfindung der so genannten "Jungfrauengeburt" in Matthäus 1, 21-22. Maria sei deshalb Jungfrau gewesen, so Matthäus, damit sich Jesaja 7, 14 erfülle, wo von einer "schwangeren Jungfrau" die Rede sei. Ein Missgeschick allerdings, dass die Hebräischkenntnisse des Evangelisten entweder mangelhaft sind oder ihm eine fehlerhafte Fassung bzw. Übersetzung des Jesaja-Textes vorlag. In Jesaja 7, 14 ist nämlich keinesfalls von einer "schwangeren Jungfrau" die Rede, sondern von einer "schwangeren jungen Frau". So viel einmal zu den beliebten Wortspielen von Matthäus mit seinen zweifelhaften "Wahrheitsgehalten".
Schon von daher ist es also alles andere als sicher, dass die Erzählung von dem Jünger Simon, der von Jesus plötzlich "Petrus" genannt worden sei, wirklich stimmt. Möglicherweise wurde der Name "Petrus" nur für das obige Wortspiel mit dem "Fels", der dieser Petrus sein soll, gebraucht und deshalb zwei Generationen später erfunden und in die Evangelientexte eingetragen. Mit dem Namen "Simon" hätte man das Wortspiel nämlich nicht machen können. Und vielleicht heißt Simon nur deshalb eben jetzt "Petrus". Doch die Sache ist insgesamt weit ernster, denn bekanntlich gründet ja die gesamte Rom-Kirche mit ihrem "Stuhl Petri" auf diesem scheinbar harmlosen Wortspiel.
 
Christus bzw. Gott ist der Fels

Nun behauptet also der Evangelist Matthäus, Jesus, der Christus, habe das alles so gesagt. Doch hat Er das wirklich gesagt? Eine gute Erklärung für den möglichen tatsächlichen Sachverhalt gibt ein Evangelium außerhalb der Bibel. Dort lautet die Stelle nämlich an einer entscheidenden Stelle etwas anders. Jesus von Nazareth spricht hier: "Alle Wahrheit ist in Gott, und Ich zeuge für die Wahrheit. Ich Bin der wahre Fels, und auf diesem Felsen werde Ich Meine Gemeinde erbauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen, und von diesem Felsen werden Ströme lebendigen Wassers fließen, um den Völkern dieser Erde Leben zu spenden" (Das Evangelium Jesu, Verlag Das Wort, Rottweil 1986, Kapitel 44, 4; mehr dazu hier).
Das ist nun aber ein großer Unterschied, ob Jesus oder Simon Petrus der "Fels" sei. Und nicht nur das Evangelium Jesu sieht das so. Auch Paulus lässt überhaupt keinen Zweifel daran, wer zu seiner Zeit noch der "Fels" ist. Paulus wörtlich: "... unsre Väter ... haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; sie tranken nämlich von dem Felsen, der ihnen folgte; der Fels aber war Christus" (1. Korinther 10, 4). Und dazu passen auch die Worte von Paulus an anderer Stelle: "Einen anderen Grund [im Sinne eines felsigen Untergrunds] kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus" (1. Korinther 3, 11). Und dazu passend heißt es auch in der Bergpredigt von Jesus selbst bei Matthäus: "Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet" (Matthäus 5, 25). Es ist ein völlig abstruser Gedanke, dass Jesus hier gemeint haben könnte, man solle sein Haus auf den "Felsen" Petrus bauen. Eindeutig überliefert Matthäus hier, dass derjenige auf "Fels" baut, der die Worte von Jesus (!) befolgt, was Petrus eben leider oft nicht tat.

Und wie ist es im Alten Testament? Dort ist der "Fels" immer Gott. Z. B. steht bei Jesaja 26, 4: "Darum verlasst euch auf den Herrn immerdar; denn Gott der Herr ist ein Fels ewiglich". Oder Psalm 31, 4: "Denn du [Gott] bist mein Fels und meine Burg". Oder 2. Samuel 22, 2: "Der Herr ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter." Und viele weitere Stellen dieser Art.

Und dann soll Jesus nach der Kirchenlehre gekommen sein und anstelle von Gott oder zusätzlich zu Ihm den Petrus zum "Felsen" gemacht haben? Kann das wirklich sein? Und dann, nur fünf Verse später, hat Jesus zu Petrus, der gerade eben noch zum "Fels" gemacht worden sein soll, gesagt: "Satan, hebe dich hinfort von mir! Du bist mir ein Ärgernis!" (Matthäus 16, 22-23)
Das würde dann ja ganz konkret heißen: Nach Vers 18 würde die "Gemeinde", die auf den "Fels" Petrus gebaut sei, von den "Pforten der Hölle" nicht überwunden werden, und in Vers 23 ist es damit faktisch schon wieder vorbei. Denn da wird das "Fundament", nämlich Petrus, als "Satan" zurecht gewiesen. Mit anderen Worten: Wer auf den "Felsen" Petrus baut, baut auf "Satan". Und: Das behaupten nicht wir. Sondern das ergibt sich eindeutig und klar aus dem Matthäusevangelium.
Natürlich kann man an allem herumtüfteln und herumdrehen bzw. herumtricksen. Doch für jeden unvoreingenommenen Analytiker besteht bei dem Wort an Simon Petrus, dem angeblichen "Fels" ein dringender Tatverdacht der Fälschung.
Doch was bleibt als Faktum übrig? Simon könnte nun wohl seinem eventuell neuen Rufnamen "Petrus" dadurch gerecht werden, indem er bestrebt ist, sein Leben auf den "wahren Felsen" Christus bzw. Gott zu bauen. Doch nicht, indem er sich selbst als "Fels" versteht. Nur der Felsen Christus bzw. Gott biete dem Menschen nach biblischer Lehre also Halt. Und wer auf diesen Felsen baut und die Gebote Gottes erfüllt, der könnte vielleicht seinerseits zu einer Art "Fels in der Brandung" einer stürmischen und unruhigen Welt werden. Dies gilt dann aber auch für jeden anderen Menschen und nicht nur exklusiv für den Jünger Simon, den man später noch zu Lebzeiten "Petrus" nannte; oder eben erst in späteren Generationen, um weiter an der Legende von dem angeblich ersten "Papst", dem "Fels", zu stricken.
 
Vatikan bezeichnet Joseph Ratzinger als "makellosen Felsen"

Und von dieser Legende bzw. Fälschung her gedacht, ist es für die Kirche nicht mehr weit, auch spätere Päpste als angebliche "Felsen" zu bezeichnen, zum Beispiel den 2013 zurück getretenen Papst Ratzinger. So betonte der Kardinalstaatssekretär und höchste Vatikan-Beamte Angelo Sodano etwa zu Ostern 2010, Papst Ratzinger
sei "der makellose Fels der heiligen Kirche Christi". "Makellos", das heißt "sündlos", rein, ohne jeglichen Fehl und Tadel. Und der nächste Schritt auf diesem kirchlichen Schleichpfad ist dann, den Papst irgendwann gar völlig als "Christus" zu verehren, wie dies der ranghöchste Vatikan-Kardinal dann auch tatsächlich gegenüber Joseph Ratzinger tat. Eventuell um schon einmal vorab zu testen, ob sich vielleicht Protest regt. Es regte sich keiner. So wird also der Götze Papst mehr und mehr zu einem neuen gottähnlichen Wesen aufgebaut wie im Baalskult und damit zu einem neuen "Gott", wie einst die "Gottkaiser" im alten Rom. Auch die "Unfehlbarkeit" in Lehrfragen wurde ihm 1870 ja schon zugesprochen; auch etwas, was normalerweise in religiöser Verehrung einem Gott zugesprochen wird und nicht einem Menschen. Anders jedoch der Katholizismus - bei gleichzeitiger Verurteilung zu angeblich ewiger Verdammnis gegenüber allen, die daran zweifeln - was die deutschen Politiker nicht daran hinderte, 2011 den "Papst-Gott" um eine Grundsatzrede im Deutschen Bundestag zu bitten und dem "makellosen Felsen" Joseph R. auch noch tagelang auf Staatskosten mit "Sicherheitsstufe 1" (mit Scharfschützen, Abfangjägern, Tausenden von Polizisten, Beamten und Soldaten) seinen Besuch zu finanzieren und einiges mehr, was insgesamt wohl deutlich über 100 Millionen Millionen Euro kostete. Und die vielen Protestanten, deren Anführer Martin Luther einst noch gegen das Papsttum Sturm lief, sind aufs Ganze gesehen derweil zu Jasagern gegenüber der Romkirche degeneriert, die untereinander allenfalls noch darum wetteifern, wer dem Papst die Hand schütteln darf.
Die Schlange schleicht also besonders dreist umher und versprüht eine Täuschung nach der anderen und züngelt eine Fälschung und Irreführung nach der anderen aus ihrem Schlund heraus. Und wird ihr nicht irgendwann - symbolisch gesprochen - der Kopf zertreten, setzt sie früher oder später zu einem großen eiskalten Atemzug an, öffnet plötzlich ihr überdimensionales Maul und verschlingt sogar ein großes Tier, das sich noch kurz zuvor vor ihrem Angriff sicher wähnte.
 
Jesus verleiht allen Menschen die so genannte "Schlüsselgewalt", nicht nur Petrus

Schlangengleich haben sich auch die kirchlichen Theorien immer weiter von der christlichen Lehre weg geschlichen: Angeblich hätte Simon Petrus nach seiner Titulierung als "Fels" auch als einziger der Jünger noch eine so genannte "Schlüsselgewalt" bekommen (Matthäus 16, 19), nämlich die "Schlüssel des Himmelreiches", um damit auf der Erde "binden" und "lösen" zu können. Und die Kirche behauptet nun deswegen, als selbsternannte "Nachfolgerin" des Simon Petrus diese "Gewalt" von ihm sozusagen mit geerbt zu haben. Und daraus leitet sie wiederum ihren anmaßenden Anspruch ab, "auf der Erde" im Namen Gottes Sünden vergeben zu können und durch ihr "Sakrament der Beichte" und durch weitere Sakramente und Rituale den Menschen sogar den Himmel aufschließen zu können; und umgekehrt auch, jemanden für immer in die ewige Hölle verbannen zu können - alles in allem eine trickreiche und freche Verhöhnung Gottes.
Liest man nämlich im Matthäusevangelium unvoreingenommen weiter, dann entdeckt man schon wenig später, dass Jesus allen Nachfolgern bzw. zumindest allen Jüngern, die Seine Worte hörten, diese "Schlüssel" gegeben hat, und nicht nur Simon Petrus. Denn es heißt einige Abschnitte weiter nämlich wörtlich: "Alles, was ihr auf Erden bindet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein" (Matthäus 18, 18). Das ist exakt der gleiche Inhalt wie die angebliche "Schlüsselgewalt" für Simon Petrus. Und das heißt praktisch nichts anderes als: Wovon sich ein Mensch auf der Erde abhängig macht, daran wird er auch nach seinem Tod gebunden sein. Und welche Belastungen er auf der Erde löst, z. B. durch gegenseitige Vergebung, davon wird er auch nach seinem Tod frei sein. Darum geht es also hier und nicht um eine erdreistete kirchliche "Schlüsselgewalt" durch eine Kirche als einer angeblichen "Erbin Petri" und einer angeblichen "Mittlerin" zu Gott.
Niemals können Priester Sünden vergeben, mit denen sie als Menschen nichts zu tun haben. Wie alle anderen Menschen auch können sie nur diejenigen Sünden vergeben, die an ihnen persönlich begangen wurden, weshalb auch die ganze katholische Beichtpraxis samt "Beichtgeheimnis" ein großer Schwindel ist, welches sich in unserer Zeit mehr und mehr zum "Verbrechensgeheimnis" herausschält, wenn z. B. pädophile Verbrecher im Talar ihre Verbrechen kirchenintern "beichten", und sich dann dank des in Anspruch genommenen "Beichtgeheimnisses" der Anzeige bei der Polizei und ihrer gerechten Verurteilung entziehen.

So können natürlich auch die kirchlichen "Oberhirten" diesen "Schlüssel" für ihr persönliches lasterhaftes Leben in Anspruch nehmen, wenn sie z. B. bereit wären, ihre Sünden oder gar Verbrechen mit der Hilfe von Christus zu bereuen und ihre Opfer (unabhängig von einer juristischen Verurteilung) um Vergebung bitten, aber sie können hier nicht für andere handeln. Christus hat also keinen Menschen oder eine Kirche mit einer speziellen "Schlüsselgewalt" beauftragt, sondern Er hat laut Matthäusevangelium jedem Menschen den "Schlüssel" für sein eigenes Leben in die Hand gegeben, um es in den Griff zu bekommen - nämlich Seine Kraft, die in jedem von uns wirksam werden kann. Somit ist Christus selbst der Schlüssel des Lebens, mit dessen Hilfe jeder das Negative auflösen kann, das noch Gewalt über ihn hat.
 
Petrus statt Christus - Der Schachzug der Rom-Kirche

Doch es war aufs Ganze gesehen ein geschickter Schachzug der Rom-Kirche, nicht auf Jesus, den Christus, den wahren Fels, aufzubauen, sondern Simon Petrus dazwischen zu schieben
. Und so könnte man weiter fragen: Fällt eigentlich niemandem auf, dass die römisch-katholische Kirche ihren wichtigsten Sakralbau nicht Christuskirche, sondern Peterskirche nennt? Und dass dieser Dom nicht auf einem "Christusplatz", sondern auf dem Petersplatz in Rom steht? Und weiter: Warum gibt es wohl einen Stuhl Petri, aber nicht den Stuhl des Jesus, des Christus, in Rom? Der Thron des Papstes steht dort im Vatikan im Zentrum. Und alles dreht sich um "Petrus", der einmal Simon hieß. Doch der Fels wäre in Wahrheit Christus, nicht jedoch der gefälschte Christus der Institution Kirche, die den Petrus dazwischen geschoben hat. Simon Petrus erwies sich als Mensch, der seinen Meister in der Stunde höchster Gefahr verleugnete - dreimal, ehe der Hahn krähte. Doch Simon kehrte wenigstens um und bereute: Er "ging hinaus und weinte bitterlich". Die Kirche aber bereut nicht. Im Gegenteil: Sie setzt die Irreführung der Menschen weiter ungeniert fort. Es ist nur die Frage, wie lange noch?

Der echte Christus ist für alle diejenigen gefährlich, die einen religiösen Machtanspruch erheben. Denn Jesus von Nazareth lehrt auch die Gleichheit und die Geschwisterlichkeit. Er kennt kein Oben und Unten und keine kirchliche Hierarchie. Und alle irdische Macht zählt bei ihm nicht. Deshalb ist der echte Christus für die Rom-Kirche sehr gefährlich.
 
Petrus, der vermeintliche "Fels" - Dreiste Fälschung in voller Absicht?

Und man muss sich vor diesem Hintergrund weiterhin fragen, ob der Satz von Simon Petrus, dem "Fels", in Matthäus 16, 18 vielleicht sogar mehr als ein zweifelhaftes bzw. zwielichtiges Wortspiel des Evangelisten Matthäus war, nämlich ein dreiste Fälschung? Auch wenn wir hier keinen exakten Beweis dafür führen können. Doch oben haben wir ja bereits dargelegt, dass der nachfolgende Vers 19 (mit des "Himmelreichs Schlüsseln" für Simon Petrus) eine Verfälschung des ursprünglichen Satzes in Matthäus 18, 18 ist, wo der Inhalt dieser Vollmacht allen (!) Nachfolgern von Jesus übertragen wurde, nicht nur dem Petrus. Einiges spricht deshalb dafür, dass Matthäus 16, 18 eine grobe Bibelfälschung der antiken frühkatholischen Kirche in voller Absicht war.

Und dies ist übrigens in der wissenschaftlichen Theologie mittlerweile völlig unumstritten, wofür hier nur einige wenige Beispiele aus einigen Standardwerken aufgeführt werden. Kein einziger namhafter Experte hält das Jesuswort an Petrus mit dem Fels für "echt", und die Liste ließe sich schier endlos erweitern.
Der bekannte Theologe Rudolf Bultmann spricht von der Urgemeinde, die bestimmte Worte "Jesus in den Mund gelegt" hat. Wörtlich schreibt er: "Aus der Urgemeinde stammen sicher (!) die Worte, in denen der Auferstandene mit königlicher Geste dem Petrus die Leitung der Gemeinde - die er sogar als  s e i n e  Gemeinde bezeichnet - überträgt (Mt. 16, 17-19)" (Rudolf Bultmann, Theologie des Neuen Testaments, Tübingen 1980, S. 51; "Urgemeinde" ist hier allerdings ein irreführendes Wort für die frühkatholische Gemeinde). Das heißt: Matthäus 16, 17-19 stammt nach dem Theologen Rudolf Bultmann nicht von Jesus, sondern von der frühkatholischen Gemeinde.
"Paulus hebt nie sein gutes Einvernehmen mit Kephas hervor ... Das weist auf schärfere Gegensätze hin, und ihr Grund kann nicht zweifelhaft sein: die Suprematie Petri als des ersten Auferstehungszeugen und wohl auch als des ´Felsens`, des Fundamentes der Kirche - jene Petrusauffassung, die schon im Namen des Apostels zum Ausdruck kommt, später (!) ihren Niederschlag in Mt. 16, 18f. gefunden hat und gegen die Paulus ... zu polemisieren scheint. Dieser Anspruch auf Subordination, wie immer er auch begründet, ist auf Widerstand gestoßen und hat vermutlich als Reaktion die Parteibildung erst veranlasst ... zu eigenen Gruppen, wodurch auch die Kephasleute, nunmehr isoliert, in die Rolle einer bloßen Gruppe gedrängt wurden." (Philipp Vielhauer, Geschichte der urchristlichen Literatur, Berlin . New York 1975, S. 137f.)
Vereinfacht ausgedrückt erklärt Professor Dr. Vielhauer hier: Schon Paulus ist gegen die - erst lange nach Jesus entstandene - Petrus-Legende vom "Fels" vorgegangen.
"Das Wort an Petrus in Mt. 16, 18 ... ist zweifellos (!) nachösterlich, und, wie der Vergleich von Mt. 16, 16-20 mit der Vorlage Mk. 8, 28f. zeigt, spät (!) entstanden." (H. Conzelmann, A. Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen 1998, S. 476 f; das Wort "nachösterlich" ist dabei eine beschönigende Formulierung für "gefälscht")
"Die ... Kirche ist nicht von Jesus gegründet worden. Zwar führt das an Petrus gerichtete Wort vom ´Fels` die Stiftung der Kirche auf Jesus zurück, ... aber dieses Aussagen sind mit größter Wahrscheinlichkeit nachösterlich (!), setzen die Existenz der Kirche also bereits voraus." (H. Conzelmann, A. Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen 1998, S. 521; "nachösterlich" = "gefälscht")
"Schon in urchristlicher Zeit hat man den fragmentarischen Charakter des Markustextes empfunden und Abhilfe geschaffen, indem man die Erzählung (wie die Matthäusfassung ergibt) um eine ausführliche Antwort Jesu erweiterte." (Das Buch der Bücher, Neues Testament, herausgegeben von Hanns-Martin Lutz, Herbert Timm, Eike Christian Hirsch, München 1972, S. 140; im Klartext: man hat Jesus nachträglich eine Antwort in den Mund geschoben; diese stammt also gar nicht von ihm)
"Eigentümlich ist die Zuspitzung auf die Person des Petrus. Die Gemeinde [also nicht Jesus], die es formulierte (!), hat in Petrus den Gewährsmann der christlichen Tradition und Verkündigung gesehen." (Das Buch der Bücher, Neues Testament, herausgegeben von Hanns-Martin Lutz, Herbert Timm, Eike Christian Hirsch, München 1972, S. 170f.)

Nun könnte man einwenden, die hier genannten Wissenschaftler sind alle oder überwiegend evangelisch. Und in der Tat können nur Wissenschaftler diesen Sachverhalt unvoreingenommen prüfen, die nicht an das katholische Dogma gebunden sind, welches das Ergebnis der "Untersuchungen" bereits dogmatisch vorschreibt. Römisch-katholische Theologen, die an das Dogma gebunden sind, betreiben deshalb vielfach nur dem Schein nach "Wissenschaft" auf Staatskosten. In Wirklichkeit müssen sie nur nach angeblichen "Bestätigungen" für die Dogmen der Kirche suchen. Doch selbst die dogmengebundenen katholischen Theologen können in unserer Zeit gar nicht mehr anders als die Fälschung dieser Grundlage der katholischen Kirche zu bestätigen. Der Theologe Hans Küng schreibt dazu in seinem Buch Kleine Geschichte der katholischen Kirche: "Doch nehmen heute auch katholische Exegeten [= Bibelausleger] an, dass das berühmte Wort von Petrus als dem Felsen, auf dem Jesus seine Kirche bauen werde (Mt 16,18 f.: Futur!) und von dem die anderen Evangelien nichts wissen, kein Wort des irdischen Jesus(!), sondern eine nachösterliche Bildung der palästinischen Gemeinde bzw. des Matthäus ist" (Berlin 2002, S. 31).
 
Eine Botschaft aus dem All über Jesus, den Christus

Zu dem allen gibt es auch noch eine interessante Variante zu den Ergebnissen der wissenschaftlichen Theologie. Demnach wurde das "Fels"-Wort nicht einfach von der frühkatholischen Kirche erfunden, um die Macht der Kirche zu begründen, sondern es sei - anstatt zu Petrus - über Christus selbst gesagt worden. Geht man nämlich davon aus, dass das apokryphe Evangelium Jesu den Sachverhalt richtig wieder gibt (siehe oben) und dass Christus der "Fels" ist und nicht Simon Petrus, dann wird auf einmal der unmittelbare Zusammenhang der Erzählungen im Matthäusevangelium sehr interessant.

In Kapitel 17 ist nämlich von der so genannten "Verklärung" bzw. geistigen Erscheinung von Jesus die Rede, wobei Jesus mit Seinen Jüngern inmitten von Felsen (!) auf einem hohen Berg steht. Nebenbei gesprochen: Auch hier hat einmal mehr Simon nicht kapiert, worum es geht, und er wollte für die (nicht materiellen) Seelen von Mose und Elia eine Hütte bauen (17, 3-4). Eine "Stimme vom Himmel" wird jedoch vernommen und preist Christus mit den Worten "Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören" (17, 5). Man könnte sagen: Schlicht und gut, und vor allem kurz und klar. Man könnte aber auch sagen: Etwas dürftig und knapp, wie Christus hier gepriesen wird, wenn man es einmal mit dem angeblichen Lobes-Hymnus auf Simon kurz zuvor vergleicht, der viel eindrücklicher und umfassender ist. Eigentlich sollte doch Christus größer sein als Simon Petrus.

Was könnte man daraus folgern?
Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei dem Simon-Petrus-Lob ursprünglich um einen Christus-Hymnus gehandelt habe, der in Wirklichkeit in den Zusammenhang der "Verklärung" bzw. "geistigen Erscheinung" in Matthäus 17 gehört, und den ein kirchlicher Fälscher von dort einfach zu Simon Petrus nach Kapitel 16 herüber gezogen hat. Es würde auf jeden Fall den meisten Sinn machen, wenn die "Stimme aus dem Himmel" über Christus gesprochen hätte: "Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören. Auf diesen Felsen will Ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwinden" (Matthäus 17, 5; 16, 18b-19a). Stand das Felsenwort ursprünglich in diesem Zusammenhang, dann klingt diese "Botschaft aus dem All", dieser Christus-Hymnus, auch nicht so dürftig. Und unmittelbar im Anschluss daran würde dann noch Matthäus 16, 20 direkt dazu passen, wo es heißt: "Da gebot Er [Jesus] seinen Jüngern, niemandem zu sagen, dass Er der Christus sei". So ist alles plausibel und macht Sinn und stimmt dann auch mit dem ganzen Zusammenhang überein: Erst wäre das Bekenntnis durch die Stimme aus dem All zu Christus erfolgt, und dann unmittelbar danach die Ermahnung von Jesus, darüber noch mit keinem zu sprechen, weil die Zeit dafür noch nicht gekommen sei. So also könnte alles gewesen sein.
 
Was stand im Ur-Matthäus-Evangelium und was ist alles kirchlich gefälscht?

Im apokryhen Evangelium Jesu (siehe oben) steht es zudem unmissverständlich ebenso. Nicht Simon Petrus, sondern Jesus, der Christus, ist der "Fels". Und dass es auch bei Matthäus ursprünglich so geheißen haben könnte, dafür gibt es auch sprachwissenschaftliche Anhaltspunkte. Und dann kam allem Anschein nach der frühkatholische Fälscher und bastelte aus dem ursprünglichen Matthäusevangelium seine Simon-Petrus-Huldigung zusammen, die man dann in einem nächsten Schritt auf den katholischen Papst übertrug. Die Huldigung des Simon als "Fels" hätte der frühe Kirchenmann dann aus der Erscheinungsgeschichte in Kapitel 17 heraus genommen, und dazu die so genannte "Schlüsselgewalt" aus Kapitel 18; und beides zusammen wäre von ihm dann in Kapitel 16 zu einer neuen kirchlichen Mixtur verarbeitet worden. Und auf diese manipulierten Textmontagen bzw. diese Mixtur in Kapitel 16 gründet sich seither die katholische Kirche.
Wie gesagt: Letzteres muss sich nicht zwangsläufig so zugetragen haben. Der katholischen Kirche hat man jedoch schon anderweitig viele Fälschungen nachgewiesen, und eine angeblich exklusive Übertragung einer "Schlüsselgewalt" an Simon Petrus bzw. die spätere Kirche ist ja in diesem Zusammenhang schon nachgewiesenermaßen die Fälschung Nr. 1 (siehe oben). Und die Übertragung des Namens "Fels" von Christus auf Simon Petrus ist dann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Fälschung Nr. 2. Und vielleicht wurde nur dazu auch der neue Rufname "Petrus" für den Jünger Simon erfunden, und nicht einmal dieser würde dann auf Jesus zurück gehen. Wer weiß.
Natürlich können wir dies nicht beweisen, und kirchliche Kritiker könnten uns vorhalten, es wäre zwar sehr interessant, aber doch teilweise spekulativ. Doch wer kann uns beweisen, dass es nicht so war? Niemand. Aus diesem Grund bringen wir hier einige der Fakten und ziehen mögliche Schlussfolgerungen daraus. Doch jeder kann sich auch selbst ein Urteil bilden.

In diesem Zusammenhang ist es auch von Bedeutung, dass die wissenschaftliche Theologie heute von einem Ur-Matthäusevangelium weiß, das sich deutlich von dem uns heute bekannten Matthäusevangelium unterscheidet. Davon wusste auch der Kirchenvater Hieronymus im 4. Jahrhundert. "Unglücklicherweise" ging es "verloren" bzw. es wurde von der Kirche vernichtet (zum Sachverhalt siehe hier). Warum, dürfte jedem ehrlichen Gottsucher klarer sein.
 
Die Dogmen und Lehrentscheidungen der römisch-katholischen Kirche über den Satz im Matthäusevangelium

Tatsache ist nun weiterhin, dass die römisch-katholische Kirche, für jeden interessierten Leser nachvollziehbar, aus dieser Simon-Petrus-Konstruktion im Matthäusevangelium die Vollmachten des heutigen Papsttums ableitet. Und das ist nun nicht nur völlig unseriös und an den Haaren herbei gezogen, das ist kompletter Unsinn, eine Verhöhnung von Christus und eine Verdummung der Menschen. Und obwohl mittlerweile auch die katholischen Theologen zugeben, dass das Jesuswort an Petrus "nachösterlich", wie es beschönigend heißt, d. h. gefälscht ist, wird diese Tatsache von der Institution Kirche einfach ausgesessen, also ob es sie nicht gäbe. Doch es handelt sich um den größten Betrug der Menschheitsgeschichte, der im Verbund mit dem zweitgrößten Betrug gesehen werden muss. Dieser ist die angebliche "Konstantinischen Schenkung", die nachweislich im Mittelalter gefälschte Schenkung eines Staatsgebietes von Kaiser Konstantin an den Papst, als "Dank" für den Empfang der katholischen Taufe und einer angeblichen Heilung. Dieser Betrug ist die "staatsrechtliche" (in Wirklichkeit "staatsunrechtliche") Grundlage des heutigen Vatikanstaates, der 1929 vom Diktator Benito Mussolini in den Lateranverträgen in seiner heutigen Form installiert wurde.

Die nachfolgenden Zitate zum so genannten "Felsenwort", die den großen Betrug im Wortlaut dokumentieren, stammen aus dem offiziellen Lehrwerk Heinrich Denzinger/Peter Hünermann, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, 42. Auflage, Freiburg 2009, abgekürzt DH.

Das erste Dokument ist das Decretum Gelasianum von Papst Gelasius I. (350-354). Einiges davon wird auch Papst Damasus I. (Decretum Damasi) zugeschrieben.
DH 350: "Nach all diesen prophetischen, evangelischen und apostolischen Schriften, auf die die katholische Kirche durch die Gnade Gottes gegründet ist, meinten wir auch jenes betonen zu sollen, dass zwar der gesamte über den Erdkreis hin verbreiteten katholischen Kirche das Brautgemach Christi zusteht, die heilige Römische Kirche aber nicht aufgrund irgendwelcher Konzilsbeschlüsse den übrigen Kirchen vorangestellt ist, sondern aufgrund des Wortes des Herrn und Erlösers im Evangelium den Primat erlangt hat; denn er sagte: ´Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen ...`"

 

Der "Heilige" Papst Hormisdas, Glaubensbekenntnis "Libellus fidei" vom 11.8.515
DH 363: "Und weil der Spruch unseren Herrn Jesus Christus nicht übergangen werden kann, der sagt ´Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen?` [Mt 16, 18], wird das, was gesagt wurde, durch die tatsächlichen Wirkungen erwiesen; denn beim Apostolischen Stuhl wurde stets die katholische Religion unversehrt bewahrt."

Papst Innozenz III. Brief
"Apostolica Sedis primatus" an den Patriarchen von Konstantinopel vom 12.11.1199 gegen die Orthodoxen
DH 774: "Der Primat des Apostolischen Stuhles ... wird in der Tat durch viele Zeugnisse sowohl der Evangelien als auch der Apostel bestätigt ..., die übereinstimmend aussagen, dass die hochheilige im seligen Apostelfürsten Petrus geweihte Kirche gleichsam als Lehrerin und Mutter die übrigen überrage. Er nämlich verdiente es ... zu hören: ´Du bist Petrus ....` Denn wenn auch das erste und vorzügliche Fundament der Kirche der einziggeborene Sohn Gottes Jesus Christus ist ... so ist doch das zweite und zweitrangige Fundament der Kirche Petrus."

DH 775: "... vielmehr wirst du erkennen, dass ihm selbst ohne die anderen vom Herrn die Vollmacht erteilt wurde, zu binden und zu lösen, so dass er, was die anderen nicht ohne ihn selbst vermochten, er selbst aufgrund des ihm vom Herrn übertragenen Vorrechts und der gewährten Fülle der Macht ohne die anderen vermochte."

4. Sitzung des 1.Vatikanischen Konzils, 18.7.1870, Erste dogmatische Konstitution
"Pastor aeternus"
DH 3053: "Deshalb lehren und erklären Wir, dass gemäß den Zeugnissen des Evangeliums der Jurisdiktionsprimat über die gesamte Kirche Gottes von Christus, dem Herrn, unmittelbar und direkt dem seligen Apostel Petrus verheißen und übertragen wurde ..." [es folgt Mt. 16, 16-19 und Joh 21, 15-17]


DH 3054 [= 438 im Werk von Neuner-Roos [NR], Der Glaube der Kirche]: "Dieser so offenkundigen Lehre der heiligen Schriften ... stehen die verkehrten Auffassungen derer offen gegenüber, die die von Christus, dem Herrn, in seiner Kirche eingesetzte Regierungsform verkehren und leugnen, dass allein Petrus vor den übrigen Aposteln - ob einzeln für sich oder allen zugleich - von Christus mit dem wahren und eigentlichen Jurisdiktionsprimat ausgestattet wurde; oder die behaupten, ebendieser Primat sei nicht unmittelbar und direkt dem seligen Petrus selbst, sondern der Kirche und durch sie jenem als dem Diener dieser Kirche übertragen worden."

DH 3055 [= NR 440, dort als "unfehlbar" markiert]: "Wer also sagt, der selige Apostel Petrus sei nicht der von Christus, dem Herrn, eingesetzte Fürst aller Apostel und das sichtbare Haupt der ganzen streitenden Kirche; oder derselbe habe nur den Ehren-, nicht aber den wahren und eigentlichen Jurisdiktionsprimat von ebendiesem unseren Herrn Jesus Christus direkt und unmittelbar empfangen; der sei mit dem Anathema belegt." [ = der sei ewig verdammt ]

DH 3056 [= NR 441]: "Was aber der Fürst der Hirten und große Hirt der Schafe, der Herr Christus Jesus, im seligen Apostel Petrus zum ewigen Heil und immerwährenden Wohl der Kirche eingesetzt hat, dass muss auf sein Geheiß hin in der Kirche, die gegründet auf dem Felsen, bis zum Ende der Zeiten sicher stehen wird, beständig fortdauern ..."

DH 3057 [= NR 442]: "Daher hat jeder, der auf diesem Stuhle Petrus nachfolgt, gemäß der Einsetzung Christi selbst den Primat des Petrus über die gesamte Kirche inne."

DH 3058 [= NR 443, dort als "unfehlbar" markiert]: "Wer also sagt, es sei nicht aus der Einsetzung Christi, des Herrn, selbst bzw. göttlichem Recht, dass der selige Petrus im Primat über die gesamte Kirche fortdauernd Nachfolger hat: oder der Römische Bischof sei nicht der Nachfolger des seligen Petrus in eben diesem Primat: der sei mit dem Anathema belegt."  [ = der sei ewig verdammt ]

Papst Leo XIII. in seiner Enzyklika  "Satis cognitum" vom 29.6.1896
DH 3303: "In der Tat erwähnt Jesus Christus ... nur die eine Kirche, die er die seinige nennt: ´ich werde meine Kirche bauen` [Mt. 16, 18]. Jede andere, die sich außer dieser noch denken lässt, kann, da sie nicht durch Jesus Christus gegründet wurde, nicht die wahre Kirche Christi sein."


2. Vatikanisches Konzil,
"Lumen Gentium", 21.11.1964
DH 4146: "Der Herr hat allein Simon zum Fels und Schlüsselträger der Kirche bestellt und ihn als Hirten seiner ganzen Herde eingesetzt; es steht aber fest, dass jenes Amt des Bindens und Lösens, das Petrus gegeben wurde, auch dem mit seinem Haupt verbundenen Apostelkollegium zugeteilt worden ist ... In ihm üben die Bischöfe unter treuer Beachtung des Primates und des Vorrangs ihres Hauptes ihre eigene Vollmacht zum Nutzen ihrer Gläubigen, ja, der ganzen Kirche aus, wobei der Heilige Geist deren organische Struktur und Eintracht fortwährend stärkt."


Johannes Paul II.,
Moto Proprio
"Ecclesia Dei" vom 2.7.1988
DH 4822: "In der Tat kann niemand für treu gegenüber der Überlieferung gehalten werden, der wirklich die Verknüpfungen und Bindungen zu dem abschneidet, dem Christus in der Person des Apostels Petrus selbst den Dienst für die Einheit in seiner Kirche anvertraut hat."

Zusammenfassend kann man sagen: Die Lüge wird durch fortdauernde Wiederholung nicht wahrer.
 

Die katholische Kirche verdammt nachträglich die meisten Kirchenväter und viele ihrer Heiligen

Maßgeblich für die katholische Lehre sind dabei vor allem die Dogmen des 1. Vatikanischen Konzils, weil im selben Zusammenhang die angebliche Unfehlbarkeit des Papstamtes dogmatisch für alle Zeiten und "Ewigkeiten" kirchlich festgelegt wurde. Wer diesen also widerspricht, wird nach römisch-katholischer Lehre ewig verdammt. Dazu gehören zahllose Kirchenväter und sogar "Heilige", die man auf diese Weise spätestens im 19. Jahrhundert in die Hölle schickte. Entweder durch unmittelbaren Verstoß gegen die Dogmen DH 3055 und DH 3058 oder durch mittelbaren Verstoß, denn auch weitere Abweichungen von diesem Dogma werden nach dem Dogma DH 609 mit der angeblichen ewigen Verdammnis bestraft. Dies wurde auf dem 7. ökumenischen Konzil von Nizäa 787 beschlossen und gilt auch in der orthodoxen Kirche und lautet: "Wer die gesamte kirchliche Überlieferung, ob geschrieben oder ungeschrieben, verwirft, der sei mit dem Anathema belegt" [ = ewig verdammt]. Oder eine andere Übersetzung dieses Dogmas, die seinen Sinn trifft: Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung annimmt, die geschriebene wie die ungeschriebene, der sei ausgeschlossen." (NR, Nr. 85)

Einige Beispiele für Kirchenvertreter, die verdammt werden, weil sie im Wort von Jesus an Petrus keine Einsetzung des Papsttums erblickten.
Der "Heilige" Augustin. Er verstand Matthäus 16, 18 nämlich so, dass Jesus mit dem Felsen sich selbst gemeint habe.
Augustin schreibt: "
Darum nämlich sprach der Herr: ´Auf diese Petra (Fels) werde ich meine Kirche bauen`, weil Petrus gesagt hatte: ´Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes`. Auf diese Petra also, welche du bekannt hast, sagt er, werde ich meine Kirche bauen. ´Der Fels nämlich war Christus`. Auf diesem Fundament ist auch Petrus selbst erbaut. Denn ein anderes Fundament kann niemand legen als das, welches gelegt ist, welches ist Christus Jesus" (Bibliothek der Kirchenväter, Aurelius Augustinus, Vorträge über das Evangelium des hl. Johannes, Vortrag Nr. 124, 5, übersetzt von Th. Specht, 1914).
So lässt sich das durchaus auch deuten. Matthäus 16, 18 hieße also nach Kirchenvater und Kirchenlehrer Augustinus: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen [der ich, Christus, bin und zu dem du dich gerade eben bekannt hast, als du sagtest, ´Du bist Christus ...`] werde ich meine Kirche bauen
..." Augustin versteht das Jesuswort zudem nicht exklusiv an Petrus gerichtet, sondern typologisch. Petrus sei Vorbild, und es gehe hier nicht um die Vererbung eines Führungsamtes.
Und auch in seinen
Retractationes verdeutlicht Augustinus seine Sichtweise und schrieb: "Denn es wurde zu ihm [Petrus] nicht gesagt: ´Du bist der Fels`, sondern: ´Du bist Petrus.` Der Fels aber war Christus."
Nun dazu die Frage: Hat man den "Heiligen" mittlerweile im katholischen Himmel aufgespürt und womöglich verhaftet und ausgewiesen? Und dann in die Hölle geschickt? Denn Augustinus leugnet hier schlicht die geistige Grundlage des römisch-katholischen Imperiums.

Der nächste Höllengenosse ist Kirchenvater und Kirchenlehrer Tertullian (2. Jahrhundert). Nach seiner Überzeugung habe Jesus die Verheißung nur Petrus persönlich gegeben und nicht einem Bischof von Rom oder anderen Bischöfen.

Und der "Heilige" Cyprian von Karthago deutete die Bibelstelle zwar als Einsetzung von Petrus zum "Leiter der Kirche" (Über die Einheit der Kirche 4; vgl. 59. Brief). Doch jeder Bischof folge ihm in diesem Amt, nicht etwa nur der Bischof von Rom.

Und der "Heilige" Ambrosius deutet zwar Petrus als den "Fels", glaubt aber, hier sei keine Kirchenleitung gemeint. Gemeint sei, dass Petrus als Person gemäß dieser Verheißung nicht von den "Pforten der Unterwelt" überwältigt würde, bevor Jesus wiederkommen würde.

Doch das ist noch lange nicht alles. Erzbischof Peter Richard Kenrick von St. Louis/USA legte in seinem Buch An Inside View of the Vatican Council (Ein Augenzeugenbericht über das Vatikanische Konzil) (1870) dar, dass von 86 Kirchenvätern nur 17 (!) die Auffassung vertreten hatten, dass Jesus mit dem Ausdruck "Fels" überhaupt den Petrus gemeint habe. Und selbst diese 17 haben es eben teilweise oder deutlich anders interpretiert als es die Kirche später dogmatisiert hat.

Was bleibt also von der Kirchenlehre und der Zurückführung von Papst und Vatikan auf ein angebliches Wort von Jesus an Petrus? Betrug, Betrug, Betrug. Lüge, Lüge, Lüge. Volksverdummung seit Jahrhunderten, und das Volk und seine Politiker kriechen auf ihren Knien und bedanken sich noch, obwohl sie auch noch alles bezahlen müssen.

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